Vermittlung des Themas Homosexualität - Standpunkt von ABQ

In Sexualkunde-Lehrmittel stehen vielfach Themen wie „körperliche Veränderungen“, „Liebe“, „Sexualität“, „Verhütung" und "Schwangerschaft" im Mittelpunkt und dies oft auf heteronormative, also nur auf Mann-Frau bezogene, Art und Weise. Weitere Themen sind oft noch „sexuell übertragbare Krankheiten“ und „sexuelle Belästigung/Gewalt". Nur bei sehr wenigen Lehrmittel wird „Homo- und Bisexualität“ thematisiert. Teilweise wird Schwulsein sogar nur im Kontext des HIVs erwähnt, Lesbisch- oder Bisein wird gar nicht angesprochen. Zum Teil wird gleichgeschlechtliche Liebe auch nur mit dem Aspekt der Diskriminierung verbunden.
Dieses Vorgehen suggeriert, dass Sexualität, Liebe und Beziehungen mit Heterosexualität gleichzusetzen ist und dass Homosexualität das "Andere", etwas "Schwieriges", Zweitrangiges, Tabuisiertes und eher Problematisches ist. Für eine wertfreie Auseinandersetzung ist diese Art von Vermittlung ungünstig.
Lehrpersonen haben manchmal auch selber Berührungsängste mit dem Thema oder fühlen sich nicht ausreichend sicher oder kompetent gleichgeschlechtliche Liebe explizit im Unterricht anzusprechen und gehen deshalb dem Thema ganz aus dem Weg.

ABQ erachtet es als wichtig, dass bei der Thematisierung von Homo- und Bisexualität die Reduktion auf die Sexualität oder sogar "das Andere" vermieden wird. Es ist deshalb notwendig in der gesamten Sexualkunde und im Schulalltag allgemein immer alle sexuellen Orientierungen explizit zu nennen oder offen zu lassen (z. B. durch "Wenn ein Junge sich in jemanden verliebt.", "Egal ob jemand hetero, bi, schwul oder lesbisch ist, ..." oder "Verhütung muss offen angesprochen werden, egal ob es ein Mann und eine Frau, zwei Frauen oder zwei Männer sind."). Dadurch werden jederzeit Jugendliche aller sexuellen Orientierungen angesprochen. Durch eine solche integrative Vorgehensweise wird unbewusst die Gleichwertigkeit aller sexuellen Orientierungen vermittelt und es wirkt der Tabuisierung des Themas entgegen.